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Körpertag. Die Sonne scheint. Sollen wir wirklich in den Gymnastikraum der Rehaklinik heute gehen?
Die Kids sind nicht zu halten heute morgen. Äh, können wir einen neuen Song machen? Ich will alles selber machen...(auch die Pattern!) Kann ich das Video mit dem Ins-Wasserspringen Teil 2 The Water jumper strikes back jetzt schneiden? Ich digitalisiere unter kritischer Kontrolle Fotos für die Website. Ich mache alles selber, weil es schnell gehen soll, der Tag will vorbereitet werden, Akkus laden etc.13 Uhr holen wir den Schlüssel der Turnhalle ab. Die Kinder stürzen sich sofort auf die riesigen bunten Gynastikbälle. Tai Chi ist nun so ziemlich das Gegenteil von kindlicher Frfeude an der Bewegung, es fällt schwer einen Kreis zu bilden. Der Tai Chi Lehrer spricht über das Blut und das Herz und wieviel Blut so gepumpt wird, das ein Kinderherz viel schneller pumpt und deshalb so viel schafft... Meine Umrechnungen:
1 Minute = soviel wie 5 Literflaschen Multisaft
1 Tag = 10 Badewannen voll Blut
Verstanden? Übungen: den Drachen kitzeln mit einer Entenfeder, Tiger will übern Fluss, ein Elefanten auf Zehensspitzen ganz leise vorbei....so ungefähr heissen die Übungen, ich kann mich nicht erinnern. Den Erwachsenen machen sie Spass, einige sind ganz hin + weg... die beruhigende Stimme des Lehrers, auch ich könnte mich daran gewöhnen.
Ich denke: das Konzept der Kunstkur, Kunst gegen Kur im Tausch, soweit ganz gut...aber in der Rehaklinik gibt es wenig was mich da reizt. Moorbäder, Sauna und und, nicht mein Fall. Aber Tai Chi ok, das wäre was. Die Kids werden immer unruhiger. Noch eine Vorführung mit Schwertern. Wunderschön. Wir brechen ab, entlassen die Kinder zum Schwimmen, dem einzig vernünftigen an so einem Sonnentag.
Wir unterhalten uns noch lange. Über die Parallelen zwischen den Schwertkampf und der Kunst, über das medizinische Wissen der Chinesen und ihr katastrophaler Umgang mit der Natur, über die alltäglichen Sorgen des Überlebens mit einer Praxis auf dem Lande...Später Kunstproduktion. Auch Erwachsene und Jugendliche machen mit, die ersten Blechkisten entstehen. Der kleine Andreas ist der Grossmeister des Edingstiftes. In einer Dreier-Damengruppe entsteht eine Art Schmetterling aus Blech mit hynotierenden Augen. Vielleicht sollte man die noch von hinten beleuchten? Es ja noch viel Zeit...
Abends 21 Uhr läuft der Film "URGA" als 16 mmm Projektion im Freien. Der Sohn des Betreibers des Camping-Kinos, Herr Giese führt heute vor, weil die Eltern auf eine Familienfeier sind. So viele Feiern jetzt, wir kommen ja kaum noch hinterher. Ich weiss er wäre so gerne selbst hiergewesen heute abend, dem Sohn hat es gefallen. Guter Stimmung, gutes Wetter, guter Film, sogar die Kinder sind sitzengeblieben...ungewöhnlich.
Er ist umgestiegen vom Wander kino seines Vaters zum Sound + Lichtmeister für Veranstaltungen. Und DJ! Eine gerade Linie. Ich erzähle auch ihm von den reisenden Kirmeskinos in Thailand. Er freut sich.
Der Film ist ein echter Glückstreffer....
Tai Chi praktizierende Chinesen auf winzigen Grünflächen in der grossen Stadt. Die mongolischen Kinder, wie sie beim Schlachten helfen. Fledermäuse, die die vom Projektorlicht angezogenen Insekten fangen. Ein Raubvogel über der unendlichen hügeligen Landschaft der Mongolei, ein Habicht über den Felden bei Lohmen. Der neue Fernseher von Gonso mitten auf der Wiese. Der lautstark (über den Campingplatz) krakelende Russe vom Baikalsee, der besoffen seinem Grossvater nachtrauert... alles in mongolisch und russisch mit deutschen Untertiteln, versteht sich.